Jugend und Bildung

Ist-Situation

Österreichs Jugend zeigt eine beängstigende Tendenz zur langfristigen Verschlechterung sowohl im Hinblick auf ihre Quantität, ihre Gesundheit, als auch ihre Bildung:

  • Die Zahl der Geburten sinkt seit ungefähr 1960 konstant [1.], wobei die Migranten den Geburtenrückgang ohnehin weniger dramatisch erscheinen lassen.
  • Die Quote der Untauglichen stellungspflichtigen Wehrpflichtigen steigt kontinuierlich, was eine ebenfalls kontinuierliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes der männlichen Jugend nachweist. Besonders signifikant ist das Ansteigen psychischer Schäden. Bereits ein Drittel der Untauglichen wird wegen psychischer Defekte vom Wehrdienst befreit. Nichts deutet daraufhin, dass der gesundheitliche Zustand der weiblichen Jugend besser wäre, als jener der männlichen. Das Ergebnis der Stellung kann also durchaus auf die gesamte Jugend Österreichs verallgemeinert werden. Nur 20% der Jugend ist derzeit völlig gesund [2.].
  • Der PISA-Test weist für Österreich einen ständigen Abstieg des Bildungsstandes nach. Über einen längeren Zeitraum beobachtet kann festgestellt werden, dass vor dem ersten Weltkrieg ein durchschnittlicher Absolvent der Pflichtschule des anspruchslosesten Typs noch immer in der Lage war, seine Gedanken weitgehend fehlerfrei und in leserlicher Schrift zu Papier zu bringen. Diese Fertigkeit kann heute beim durchschnittlichen Maturanten nicht mehr als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Österreichische Universitäten schneiden im internationalen Ranking blamabel schlecht ab. Das Land liegt hingegen im Vergleich der OECD bei kaufkraftbereinigten Ausgaben pro Schüler/Student nach den USA, der Schweiz und Norwegen im Spitzenfeld der OECD [3.]. Daraus muss geschlossen werden, dass das österreichische Bildungssystem von der Elementarstufe bis zur Universität unter unverhältnismäßig hohen Kosten unterdurchschnittliche Ergebnisse erbringt und unsere Jugend nach seiner Absolvierung in Berufsausbildung und Allgemeinbildung auf einem Dritte-Welt-Niveau in das Berufsleben entlässt.

Erschwerend kommt hinzu, dass die zunehmende öffentliche Verschuldung derselben Jugend unerträgliche Kosten auferlegt, die durch sie abzutragen sein werden. Für die Politik sind die Kinder als Wählerpotential nicht relevant, der Stellenwert der Jugend sinkt mit ihrem fallenden Anteil am Wählerreservoir.
In Summe ergibt sich aus dieser Entwicklung eine massive Bedrohung für die gesamte Gesellschaft, die in der gebotenen Schärfe kaum von ihr wahrgenommen wird. Die Ergebnisse der Stellung werden als Problem der Landesverteidigung gesehen und mangels Bedrohungsempfinden als unwichtig eingestuft, der Abfall des Bildungsniveaus lediglich als politisches Kleingeld in der Tagespolitik missbraucht. Die Schuld für die schlechten Ergebnisse schieben Politik, Lehrer- und Elternschaft einander gegenseitig zu. Eine derartig negative, langfristige Entwicklung lässt sich aber nicht mehr monokausal erklären. Ein erfolgversprechender Ansatz hat also alle an der Heranbildung der Jugend beteiligten Kräfte zu umfassen.

Politik

Der Staat ist jedenfalls der schlechtest mögliche Erzieher. Ein Blick in die staatlichen „Erziehungseinrichtungen“ und der oben beschriebene Istzustand weisen dies klar nach. Es wäre also nach dem Muster der verstaatlichten Industrie eine weitgehende Dezentralisierung und Privatisierung anzustreben. Die parteipolitische Einflussnahme beginnt bereits bei der Besetzung der Leiterposten von Kindergärten und zieht sich bis zu den Universitäten durch alle Ebenen. Es soll den Einfluss der Parteien bereits ab dem Kindesalter sicherstellen.
Die BIÖ fordert daher:

  • Vorerst ist der Einfluss der Parteien auf die Bildungseinrichtungen drastisch zu reduzieren. Dazu sollte der Artikel 7, Absatz 4 des Bundes-Verfassungsgesetzes so geändert werden, dass öffentlichen Bediensteten zwar die Ausübung ihrer politischen Rechte gewährleistet bleibt, die Mitgliedschaft bei einer politischen Partei sowie parteipolitische Betätigung in Ausübung des Dienstes jedoch unter Androhung der fristlosen Entlassung untersagt wird.
  • Bei Besetzung leitender Funktionen im öffentlichen Dienst muss parteipolitische Einflussnahme für die unterlegenen Kandidaten als einklagbarer Berufungsgrund definiert werden. Eine fünfjährige Frist ohne Parteimitgliedschaft vor Bewerbung um einen solchen Posten ist zu fordern.
  • Für das Personal von Kindergärten und Krippen im Eigentum des Staates und von Gebietskörperschaften sollten dieselben Einschränkungen hinsichtlich Parteizugehörigkeit gelten wie bei öffentlichen Schulen. Parteipolitische Einflussnahme im Kindergarten, wie sie bereits da oder dort betrieben wird, ist zu unterbinden. Der Zwang zum Besuch eines Kindergartens ein Jahr vor der Volksschule ist wohl auch zu diesem Zweck entwickelt worden. Jedenfalls werden die Kindergartenleiter bereits nach parteipolitischen Grundsätzen ausgewählt.
  • Bildung eines unabhängigen Expertengremiums zur ergebnisoffenen Erarbeitung einer Schul- und Universitätsreform.
  • Abgabe der Kompetenzen im Schul- und Universitätsbereich an die untergeordneten Gebietskörperschaften. Beim Bund sollte nur noch die Kompetenz der Anordnung der Bildungsziele auf den verschiedenen Bildungsebenen und ihre zentrale Überprüfung verbleiben. Die zentrale Überprüfung der Lernziele ermöglicht eine qualitative Beurteilung von Schule und Lehrer, erlaubt eine leistungsgerechte Bezahlung des Lehrpersonals und baut so nach Schweizer Vorbild Konkurrenz zwischen den Schulen und Gebietskörperschaften im Bildungsbereich auf. Weiters muss auf Bundesebene die Kompetenz für die Planung und Anordnung von Umsteigeschienen zwischen den einzelnen regionalen und inhaltlichen Schultypen verbleiben [4.]. Gleichzeitig ist den Gebietskörperschaften jedenfalls die Kompetenz zur Aufbringung der erforderlichen Mittel für diese Aufgabe einzuräumen.
  • Beseitigung aller Hemmnisse zur Gründung und Führung von Privatschulen und -universitäten ebenfalls zur Förderung von Konkurrenz. Privatschulen decken im allgemeinen dort, wo sie zu staatlichen in Konkurrenz treten, zwei Marktsegmente ab: ein Teil konkurriert mit den staatlichen Bildungseinrichtungen um die höchste Qualität, ein anderer ermöglicht auch einen leichteren Weg für finanziell leistungsfähige, aber schwächere Schüler und Studenten zu einem akademischen Abschluss. Dies ist zwar für die Gesellschaft nicht wünschenswert, lässt sich aber in staatlichen Schulen über den Umweg der Korruption auch nicht wirksam verhindern.

Lehrpersonal

Das Lehrpersonal ist einerseits stark politisch-gewerkschaftlich organisiert und hat sich damit Privilegien erstritten, die in der Bevölkerung zunehmend auf Widerspruch stoßen, zeichnet sich aber andererseits durch einen unverhältnismäßig hohen Frustpegel aus [5.]. Privilegien führen also nicht zwangsweise zu höherer Motivation. Die Politik hat in den letzten Dezennien den Lehrern einerseits jede Disziplinierungsmöglichkeit gegenüber verhaltensauffälligen Kindern genommen und andererseits die Forderung nach entsprechender Leistung durch Lehrer und Schüler völlig abgebaut. Nun können Lehrer von Schülern keine Leistung mehr einfordern und keine Disziplin durchsetzen. Darüber hinaus werden angepasste, wenig leistungsfordernde und -bereite Lehrer mindestens gleich bezahlt und keinesfalls in der Karriere gegenüber den leistungsbereiten behindert. Diese leistungsfeindliche Haltung wird von den Lehrern dann auf die Schüler übertragen. Das schlechte Preis-/Leistungsverhältnis unserer Bildungseinrichtungen ist daher nicht einem bestimmten Schulsystem anzulasten, sondern den Randbedingungen, unter denen Bildung weitergegeben werden soll. Eine Änderung des Schulsystems ist also keine zielführende Maßnahme zur Verbesserung der unbefriedigenden Situation.
Die BIÖ fordert daher:

  • Anhebung des Lehrergehaltes auf ein für Studienanfänger attraktives und gegenüber der Wirtschaft konkurrenzfähiges Niveau. Eine hohe Zahl von Lehramtsanwärtern ermöglicht eine bessere Auswahl durch die ausbildenden und Lehrer einstellenden Organe. Ziel muss es sein, nur die besten Lehrer mit der Ausbildung unserer Jugend zu betrauen.
  • Lockerung des Kündigungsschutzes im Lehrberuf. Qualitativ unzureichende Lehrer müssen festgestellt und – nach Gelegenheit zur Nachbesserung - ohne bürokratischen Aufwand in einem überschaubaren Zeitrahmen entlassen werden können.
  • Angleichung der Arbeitszeit der Lehrer auf international übliches Niveau.
  • Bezahlung der Lehrer abgestuft nach der Qualität ihrer Arbeit, gemessen an den Ergebnissen der zentralen staatlichen Überprüfungen.
  • Schaffung von Disziplinierungsmöglichkeiten gegenüber Schülern in Analogie zum Heeresdisziplinargesetz, naturgemäß aber mit einem anderen Strafkatalog.
  • Durchsetzung für den Schüler klar erkennbarer und voraussehbarer Konsequenzen bei Nichterreichung der Lernziele.

Familie

Wenn nun die Familie für das Absinken des Bildungsstandes unserer Jugend verantwortlich gemacht wird, übersieht man wohl, dass diese Institution seit Dezennien verfällt. Nur noch ein Viertel aller Haushalte bestehen aus einem Ehepaar mit Kind(ern) [6.]. Also wird man wohl von der Regel ausgehen müssen, dass Kinder in der Mehrzahl nicht aus einem gefestigten Familienverband stammen. Der Zusammenhang zwischen Verschlechterung der psychischen und physischen Verfassung der Kinder und dem Verfall der traditionellen Familie ist evident. Daraus ergibt sich für die Gesellschaft die Verpflichtung zum Gegensteuern. Familien und ihr Zusammenhalt sowie die Möglichkeit der ganztägigen Betreuung der Kleinkinder innerhalb der Familie müssen gefördert werden. Dies bedeutet keine Diskriminierung anderer Lebensformen. Die Gesellschaft muss die Möglichkeit haben, ihr nützliches Verhalten zu fördern. Die Nichtförderung ist also keine Diskriminierung sondern der Normzustand bei Verhalten, das der Gesellschaft keinen Nutzen bringt, aber auch nicht schadet.
Die BIÖ fordert daher:

  • Stabile Partnerschaften sind vorrangig zu fördern, sodass sie attraktiver werden als temporäre.
  • Die Geburtenrate beträgt in Österreich 1,4 je Frau und liegt damit unter dem EU-Schnitt [7.]. Eine attraktive Geburtenprämie wird diese Situation wohl nicht grundlegend ändern, sehr wohl aber einen Beitrag zur Erhöhung der Geburtenrate leisten. Frankreich mit der EU-weit höchsten Geburtenrate hat eine Geburtenprämie.
  • Bei Vorhandensein von Kindern ist die Familie zumindest so weit und so lange zu fördern, dass ein Elternteil sich voll der Kindererziehung bis zum Eintritt in die Schule widmen kann.
  • Zur Herstellung einer kinder- und familienfreundlichen Atmosphäre sind Familien in staatlichen Einrichtungen wie Zoos, Museen und ähnlichen besondere Vergünstigungen einzuräumen.
  • Die Erziehung der Kinder ist Recht und Verpflichtung beider Elternteile. Staatliche Eingriffe dürfen nur dort Platz greifen, wo dem Kind konkrete Gefahr für geistige oder körperliche Gesundheit droht. Jeder Ausweitung staatlicher zwangsweiser Einflussnahme im Vorschulalter und außerhalb der Schule ist entschieden zu unterbinden.

Quellennachweise

  1. Statistik-Austria, http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/geburten/022162...., abgerufen am 8.1.2011
  2. Stellungskommission des Österreichischen Bundesheeres, http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/538067/Bundesheer_Immer-m...,
    http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/538067/Bundesheer_Immer-m..., jeweils abgerufen am 8.1.2011
  3. http://www.oecd.org/document/10/0,3746,de_34968570_35008930_43639306_1_1_1_1,00.html, abgerufen am 8.1.2011
  4. Siehe hiezu http://www.andreas-unterberger.at/2010/12/ein-brief-aus-der-schweiz/ mit allen weiterführenden Links
  5. Siehe hiezu zum Beispiel http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/621417/Wegen-Burnouts-fru...
  6. http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/haushalte_famili..., abgerufen 8.1.2011
  7. http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bevoelkerung/geburten/index.html

Zusammenfassung

  • Der psychische und physische Zustand sowie die Bildung unserer Kinder und Jugendlichen verschlechtern sich kontinuierlich. Ihr quantitativer Anteil an der Gesamtbevölkerung sinkt stetig. Kinder und Jugend haben kaum mehr einen Stellenwert für die Politik.
  • Dieser Trend muss zumindest gestoppt, besser ins Gegenteil gekehrt werden.
  • Die Ursachen für die Entwicklung sind nicht monokausal erklärbar. Politik, Bildungswesen und Familie müssen einen Beitrag zur Trendumkehr leisten.
  • Die Politik hat ihre Reformunfähigkeit zur Genüge nachgewiesen. Die Bildungseinrichtungen wären von parteipolitischem Einfluss zu befreien, ihre Reform in unabhängige Expertenhände zu legen.
  • Im Bildungswesen muss Leistung mess- und vergleichbar gemacht, positiver Konkurrenz- und Leistungsdruck auf allen Ebenen geschaffen werden.
  • Lehrer sollten nur die Besten werden. Entsprechende Bezahlung, aber andererseits strenge Auswahl, ständige Leistungskontrolle mit Anreizen für gute Leistungen und die Entfernung qualitativ unzureichender Lehrer sind Grundvoraussetzungen zur Zielerreichung.
  • Von den Schülern sind Leistung und Disziplin einzufordern, deren Verweigerung muss klare Konsequenzen nach sich ziehen.
  • Stabile Familien mit ganztägiger Betreuung innerhalb der Familie sind besonders und ausschließlich zu fördern. Staatliche Erziehung darf nur platz greifen, wo die Familie eindeutig überfordert ist.

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