Nachgelesen

Interessante Neuerscheinungen und Lesenswertes werden wir an dieser Stelle in unregelmäßigen Abständen vorstellen. Beachten Sie bitte auch das Dossier »Medien«, in dem wir zu ausgewählten Presseartikeln verlinken.

Anmerkung: Sie können unsere Links auch dann bedenkenlos anklicken, wenn Sie nicht unbedingt mit der BIÖ in Verbindung gebracht werden wollen: eine technische Rückverfolgung auf diese Seiten ist nicht möglich.

IMD: Wie man ein wettbwerbsfähiges Land wird

Stéphane Garelli erklärt aus Sicht des vergleichenden Wirtschaftswissenschaftlers in diesem 3-minütigen Clip (in gut verständlichem Englisch), was ein im internationalen Wettbewerb erfolgreiches Land ausmacht (Text und deutsche Übersetzung unter dem Video, nach Klick auf »read more«) :

Hallo! Ich heiße Stépahe Garelli und bin Direktor des IMD World Competitiveness Centre, wo ich auch unterrichte. Meine Frage heute lautet: Wie macht man ein Land wettbewerbsfähig?

Es gibt offensichtlich einfachere Fragen, aber wagen wir eine Antwort:

Als erstes müssen Sie irgendeine Art gesetzlicher Regelungen erlassen, die Ihre Finanzen ordnen. Ich würde sagen, das kann ein Abkommen sein (etwa der Fiskalpakt in Europa), das können aber auch Gesetze oder eine Verfassung sein, wie in der Schweiz vor 10 Jahren, oder in Deutschland vor 2 Jahren. Aber prinzipiell brauchen Sie eine ausgeglichene Finanzlage. Sonst geht gar nichts.

Als nächstes sollten Sie etwas produzieren. Das »Made in«-Konzept ist im Wettbewerb sehr wichtig: am Ende des Tages ist ein Land, was es macht. Und ich finde, die Debatte über Reindustrialisierung trifft den Kern dieses Themas. Den Vereinigten Staaten, England und Japan ging in den letzten 20 Jahren etwa 20% ihrer Industrie verloren. 5,7 Millionen Arbeitsplätze wurden allein in den Fabriken der USA in den letzten zehn Jahren abgebaut. Und wenn Sie eine Erfolgsgeschichte wie Apple hernehmen: Apple ist am Markt, wie mir scheint, mit 584 Milliarden Dollar bewertet und beschäftigt nur 61000 Mitarbeiter. Etwas herzustellen ist wichtig.

Nummer drei ist der Export. Wenn Sie wettbewerbsfähig sein wollen, exportieren Sie. Wenn wir uns die derzeitigen Problemländer wie Griechenland, Portugal und Spanien anschauen, so könnten die ihre Probleme teilweise lösen, würden sie wieder vermehrt exportieren. Wettbewerbsfähige Länder wie Deutschland exportieren.

Nummer vier: diversifizieren Sie Ihre Wirtschaft. Diversifizierung ist aus meiner Sicht absolut unabdingbar. Ich bin aus der Schweiz, wenn ich ins Ausland reise, höre ich immer wieder: »Oh, Schweiz! Schokolade und Banken!« Ich sage dann: »Ja, und vielleicht ein bisschen Lebensmittel.« - »Oh! Ja.« - »Und vielleicht ein paar Uhren.« - »Ja.« - »Und Pharmazie, wie Novartis.« Sie sehen also, die erfolgreichen Nationen sind sehr diversifiziert, wie die Schweiz, aber auch Schweden, Dänemark usw.

Und letztlich, Nummer fünf, entwickeln Sie Ihren Mittelstand. Jedes Land auf der ganzen Welt hat riesige multinationale Konzerne an der Spitze seiner Wirtschaft und eine Menge Kleinunternehmen an der Basis. Der Unterschied entsteht dazwischen. Durch das, was die Deutschen als »Mittelstand« bezeichnen: mittlere Unternehmen mit 300-1000 Mitarbeitern. Exportorientiert. Die etwas herstellen. Mit selbstentwickelter Technologie. Die so zur Diversifizierung der Wirtschaft beitragen. Die meisten sind in Familienbesitz. Und – erstaunlich – etwa 75% dieser Unternehmen sind am Land angesiedelt. Wenn Sie in Frankreich den Elsass besuchen, finden Sie wunderschöne baumbestandene Täler. Gehen Sie über die Grenze, nach Baden-Württemberg, und die Täler sind immer noch genauso schön, auch Bäume, aber zusätzlich Firmen. Kleine und mittlere Unternehmen. Und das macht den Unterschied aus.

Diese fünf Punkte Finanzen, Produktion, Export, Diversifikation und Förderung des Mittelstand sind also der Schlüssel auf dem Weg zum wettbewerbsfähigen Land. Natürlich ist das leichter gesagt als getan, aber wenn Sie mich fragen: darum geht’s.

Hello! My name is Stéphane Garelli, I'm professor at IMD, I'm director of the IMD World Competitiveness Centre, and my question today is: how to be a competitive nation?

Obviously, there are easier questions than this one, but we are going to try to answer it.

The first thing is that you have to put some legal constraints to balance your public finance. I think, it can be by treaty like the fiscal pact in Europe, it can be in laws or constitutions like in Switzerland about ten years ago or in Germany two years ago. But basically you have to enforce balanced finance. Otherwise, it doesn't work.

The second thing you need to do is to make. The »Made in«-concept is a very important concept in competitiveness: the country, at the end of the day, is what it makes. And I think the debate on reindustrialisation is really very much at the core of this issue. US, Britain, Japan have lost about 20% of their industry during the past twenty years. 5.7 million jobs lost in the US factories during the past ten years. And if you take a remarkable success like Apple – I think the market capitalisation 584 billion dollars – only employing 61000 people. Making something is important.

Number three is to export. I think, when you are competitive, you export. At the end of the day, if we see some of the countries with problems today – Greece, Portugal, Spain – they would solve part of their problems if they could learn to export again. Competitive nations do export. Like Germany.

Number four: you have to diversify your economy. I think, diversification is absolutely crucial. I'm from Switzerland and when I go abroad, people tell me: »Oh, Switzerland – this is chocolate and banks!« - I say: »Yes, but maybe it's a bit of food.« - »Oh, yes.« - »Maybe it's a bit of watches.« - >Yes.« - »Maybe it is pharmaceutical, like Novartis.« And actually you see the very competitive nations are very diversified, like Switzerland, but also Sweden, Denmark etc.

And finally, number five, you have to develop the medium size enterprises. Every country around the world has large multinationals at the top and a lot of small companies at the bottom. Where you make the difference is in between; what the Germans call the »Mittelstand«. Medium sized enterprises, 300 to 1000 people. Export oriented. They make something. They have a technology they have developed. They contribute to the diversification of the economy. Most of them are family owned. And surprisingly enough about 75% of these medium-sized enterprises are in the countryside. When you are in France, in Elsass, you have a beautiful valley full of trees. You cross the border, you go to Baden-Württemberg, the valley is just as beautiful, full of trees – but in addition you have companies. Small, medium-sized companies. And that does make a difference.

So these five points on finance, making something, exporting, diversification and supporting really the medium-sized enterprises are really the key success factors for becoming a competitive nation. Of course, it's easier to say than to do – but, really, I think this is the name of the game.

Wir sehen schwarz

In diesem Video von eineinhalb Minuten können Sie sich in Schlagzeilenform ein Bild von einigen der größten Verschwendungen von (deutschem!) Steuergeld machen, die der (deutsche) Bund der Steuerzahler in seinem Schwarzbuch 2011 aufzeigt. Das Video gipfelt in der Einladung zur Unterschrift unter eine Petition mit der Forderung zur Regressnahme an den verantwortlichen Verschwendern. Das Schwarzbuch können Sie auf der Website lesen und auch kostenlos herunterladen.

Die Website des österreichischen Bundes der Steuerzahler "VÖS" nimmt sich gegenüber der des "großen Bruders" aus Deutschland recht ärmlich aus: Unter "Aktuelles" finden wir als jüngste Mitteilung eine "Pressekonfernz 19.10.2010" (sic!). Der Menüpunkt "Presse" enthält unter der Überschrift "Presseberichte" keinen Text, sondern ist völlig verwaist.

Was ist die Ursache für den offensichtlichen Mangel an zahlenden Mitgliedern? Resignation? Desinteresse? Fehlende Information?

Da sehen wir in Österreich für eine Wende zum Besseren schwarz! Wir empfehlen die Lektüre des deutschen Schwarzbuches. Vielleicht führt das zu einer entsprechenden Sensibilisierung in der Thematik...

MoK: Zivile Nutzung der Kernenergie

Der erste Jahrestag der Ereignisse in Fukushima ist vielleicht ein guter Zeitpunkt, eine Zwischenbilanz in der Atomdebatte zu ziehen und sowohl Situation als auch Argumente zusammenzufassen. Jean-Christophe Victor tut das in gewohnt souveräner Weise in 11 Minuten, die sich für jeden lohnen, der sich einen Überblick über die komplexe Thematik verschaffen möchte:

Anm.: Der abgeschnittene Schlusssatz lautet: »Aber eine Gesellschaft ohne Risiko hat es nie gegeben. Also muss diese Frage politisch beantwortet werden.«

Es handelt sich um eine leicht aktualisierte Fassung des Videos.

Theologie und Markt: »Basler Manifest«

Auf fünf A4-Seiten bereitet uns das "ZRWP" *) in einem "Basler Manifest" die Freude einer interdisziplinären Erörterung zur "Ökonomischen Aufklärung", an dem professorale Wirtschaftwissenschafter, Wirtschaftsethiker und Theologen sowie sogar ein Professor für Neuere deutsche Literatur und Medienanalyse mitgewirkt haben.

Uns erscheint dieses Manifest deswegen so bemerkenswert, weil es (durch Wissenschaftler erstellt!) gebetsmühlenartig die sozialistische Sprachregelung der Verdrehung der Begriffe pflegt und sich dabei den Anschein der Kompetenz gibt. Einmal an die Mühle anstreifen, und schon leiert sie Kernsätze und Gemeinplätze des Liberalismusbashings. So massiert begegnet man dieser Methode nicht oft. Wir haben es geradezu mit einem Kompendium der Falschinformationen in Sachen Markt zu tun.

Da erfahren wir auf den ersten Seiten in einer Anamnese zum Beispiel:

"...der Glaube an die uneingeschränkte Markteffizienz und den perfekten Markt unterläuft die Möglichkeiten, das Marktgeschehen vernünftig zu gestalten" und es gelte "...eben nicht fundamentalistisch daran zu glauben, dass die Unsichtbare Hand des Marktes mit gottgleicher Weisheit alles so herrlich regiert, weil sie für Gleichgewichtszustände sorgt."

Marktgeschehen gestalten? Gottgleiche Weisheit? Gleichgewichtszustände?

Wer sich nur halbwegs mit der Theorie des Marktes im Sinne des Liberalismus beschäftigt hat, sollte eigentlich einräumen müssen, dass "Markt" und "Gestalten" sich ex definitione nie vertragen können. Den angesprochenen Gleichgewichtszustand gibt es in einem ständigen Prozess auch nicht, weil im Gegenteil das dynamische Marktgeschehen eben darauf beruht, dass kein Gleichgewicht gegeben ist (sonst würde nämlich das "Geschehen" zu einem Standbild erstarren).

"Mit der Dominanz eines teilweise deliranten Finanzsektors über die Realwirtschaft haben wir es mit einem neuen Phänomen zu tun.", heißt es da.

"Einzelne Haushalte, Unternehmen und die öffentliche Hand sind von den Vorgaben der transnationalen Finanzmärkte abhängig geworden, was für den Staat einen Souveränitätsverlust bedeutet. Es droht ihm die Selbstenteignung durch progressive Verschuldung, nicht zuletzt durch die Übernahme der exzessiven Schulden der Banken. Diese Verschuldungspolitik beruht allein auf dem Glauben an ein progressives Wachstum, das aber gerade durch die Krisen auf dem Finanzsektor bedroht ist. Der Staat als "lender of last resort" soll überschuldete Banken retten und muss doch feststellen, dass er selbst überschuldet ist. Wer rettet den Retter?"

Souveränitätsverlust des Staates?! Verschuldung durch Übernahme der Bankschulden?!
Wir sind bass erstaunt. Sollte auch den Wirtschaftswissenschaftern unter den Autoren tatsächlich die Tatsache entgangen sein, dass die Schulden der Staaten schon vor den "Bankenrettungen" (die, nebenbei, ebenfalls den liberalen Prinzipien widersprechen) aus den Staatsschiffen überbordend in das Meer der Wirtschaftenden wie Ölpest flossen?

Eine schon oft gehörte Diagnose wird dann erneuert, nämlich "...dass unablässig Spekulationsgewinne privatisiert, Verluste aber sozialisiert werden." Welcher aufrechte Liberale würde danach rufen, dass irgendetwas sozialisiert wird? Von Verlusten zu schweigen. Es ist im Gegenteil ein Prinzip der liberalen Wirtschaftsauffassung, dass jeder mit seinem Eigentum einzustehen hat, wenn er Verluste "produziert". Das gilt selbstverständlich auch für diejenigen Marktteilnehmer, die ihre Geschäftspartner falsch eingeschätzt haben.

Die Finanzmärkte seien "heute nicht mehr in der Lage, eine effiziente Allokation des Kapitals und der Risiken zu gewährleisten. Im Gegenteil: Sie erschaffen zusätzliche System-Risiken." Aber der die Märkte regulierende Staat soll dazu in der Lage sein?! Also bitte...

Dann mündet das Manifest in konkreten Regulierungsempfehlungen (von uns gekürzt):

1. Bankengrösse und ihre Überwachung.

2. Zulassung von Finanzprodukten: Finanzprodukte sollten zertifiziert sein.

3. Marktregulierung: nur Transaktionen in organisierten und transparenten Märkten sollten erlaubt sein.

4. Volatilitätsbegrenzung: Um die Volatilität und das Volumen von reinen Finanz-Transaktionen zu verkleinern, sollte eine Transaktionskostensteuer eingeführt werden.

5. Anreizstrukturen und ihre Besteuerung: Boni sind zu begrenzen und durch Mali zu ergänzen, um verantwortliches Wirtschaften zu fördern. Das Steuersystem muss transparent und effizient neu gestaltet werden.

6. Schuldenabbau: Globale Schuldenberge (privat und öffentlich) sollten bald abgebaut werden: 1. durch einen global koordinierten Schuldenerlass (jene, die spekulieren, werden weniger Kapital erhalten) und 2. durch den Ertrag einer Finanztransaktionssteuer (s. Punkt 4).

7. Interessenkonflikt: Die geltenden Regulierungen (Basel II, III) haben den Ratingagenturen zuviel Gewicht und Macht übertragen. Institutionelle Neuregelungen sind dringend erforderlich.

8. Ausbildung: Alle genannten Maßnahmen sind nur sinnvoll, wenn wir die künftigen ökonomisch-politischen Eliten anders ausbilden. Die ökonomische Ausbildung muss in einem verantwortungsbewussten Geiste verändert werden.

Und letztlich schließt das Manifest mit den folgenden Glaubenssätzen:

"Die religiöse Wendung „man muss dran glauben“ hat einen knirschenden Doppelsinn. Er legt die Überlegung nahe, ob wir dran glauben müssen, wenn wir weiterhin falsche ökonomietheoretische Grundannahmen wie die von der Unsichtbaren Hand oder die vom homo oeconomicus beglaubigen. Ökonomische Theorien gehören (wie theologische!) zu denen, die starke Rückkoppelungseffekte auf die beschriebenen Verhältnisse freisetzen. Wie eine aufgeklärte Theologie oder Religionswissenschaft die Glaubensannahmen der Menschen verändert, so kann eine Aufklärung über „quasireligiöse“ Annahmen der Wirtschaftstheorie zu anderen, neuen, produktiveren, ökologischeren und sozialeren Formen des Wirtschaftens führen.

Basel, 4. November 2011"

Danke für diese entlarvende Fülle an falschen Grundannahmen und daraus gefolgerten haarsträubenden aber nichtsdestoweniger gängigen Schlussfolgerungen! Jeder der acht Empfehlungen kann getrost widersprochen werden (und wer's nicht glaubt, möge bitte bei uns rückfragen; wir versprechen solide Antworten!).

Dass es sich bei dem Phänomen "Markt" nicht um eine Erscheinung, sondern um eine quasireligiöse Annahme handeln soll, ist aber wirklich eine bereichernde Erkenntnis im Rahmen der Beurteilung dieses "Manifests".


*) Selbstdefinition:
"Das Forschungskolleg des ZRWP - Zentrums für Religion, Wirtschaft und Politik (Collegium Helveticum-Basel) leistet Beiträge zur trans- und interdisziplinären Forschung. Das Kolleg ist eine gemeinsame Einrichtung des ZRWP und des Collegium Helveticum in Basel. ... Die dritte Fellowgruppe des ZRWP steht unter der Überschrift «Religion und Wirtschaft». Die grundlegende Annahme der Forschungsprogramms Risiko – Vertrauen – Schuld ist eine Verbindung der Sphären Religion und Wirtschaft."

Neue Webseite zu Bildungsfragen

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Das Androsch-Volksbegehren hat trotz immenser Propaganda einen Flop erlebt: Nicht die von Androsch in Tagträumen erhofften 90 Prozent, sondern nur 6 Prozent der Wahlberechtigten konnten für die Gesamtschule mobilisiert werden. Das ist nicht nur ein Sieg unseres vielseitigen Schulwesens, sondern auch einer des mündigen Bürgers, der sich gegenüber medialer Gehirnwäsche überraschend resistent gezeigt hat.

Es ist zu hoffen, dass politische Parteien, Kammern und Organisationen, die dieses Volksbegehren getragen haben, selbstkritisch in sich gehen. Denn unser Schulwesen braucht und verdient eine Bildungspolitik, die wissenschaftliche Erkenntnisse studiert aus ihnen Handlungsaufträge ableitet und überlegte Schritte setzt.

Einen Beitrag zu einer sachlichen Bildungspolitik kann und soll die neu geschaffene Website www.bildungswissenschaft.at leisten: Sie bietet in kompakter Form eine Fülle von Erkenntnissen aus Jahrzehnten bildungswissenschaftlicher Forschung.

IMD: Globaler Wettbewerb

Ein weiteres »Nachgeschaut«: heute gelang es uns, ein echtes Schmankerl für Sie aufzutreiben, das bei der eher mäßigen Wettervorhersage für dieses Wochenende einen guten Programmpunkt abgeben kann.

Es zahlt sich nämlich aus, diesem Mann zuzuhören, wenn er auch auf Englisch spricht (sehr gut verständlich): Professor Stéphane Garelli vom IMD spricht zum Thema »World competitiveness in 2011 and beyond«. Eine knappe Stunde (mit Fragen 1¼h), elegant und amüsant vorgetragen, wie es nur ein wahrer Meister seines Fachs kann, aber dabei extrem informativ:

Hier Teil 1. Teile 2-4 jeweils am Ende des Video nach Klick auf »up next«*):
(Um die Herkunft von unseren Seiten vor youtube zu verschleiern können Sie die alternativen Links am Ende dieses Eintrags - nach Klick auf »read more« - benützen!)

Anschauen! Es lohnt sich!

*) Oder mit einem der Links unten (Klick auf »read more«) direkt auf youtube - wir mussten leider feststellen, dass »up next« manchmal einfach nicht erscheint

Links zu den Clips auf youtube (Herkunft - sog. »Referrer« - verschleiert):
Teil 1 [15:51] - Teil 2 [19:14] - Teil 3 [17:00] - Teil 4 [21:51]

Jörg Guido Hülsmann im angeregten Gespräch über: Schulak-Unterköfler, "Die Wiener Schule der Nationalökonomie"

Wer sich nicht scheut, ein interessantes Gespräch auf englisch zu verfolgen, sollte sich die Viertelstunde Zeit nehmen, um das folgende Video anzusehen (der Link im nachfolgenden Text verschleiert Ihre »Herkunft« von unserer Webseite vor youtube, falls Ihnen das lieber ist):

Jeffrey Tucker (Vice President Mises Institute) interviews Jörg Guido Hülsmann, professor of economics at the University of Angers in France, and discusses the brilliant and engaging book by Eugen Maria Schulak and Herbert Unterköfler: 'The Austrian School of Economics: A History of Its Ideas, Ambassadors, and Institutions'.

Auch das Wiener Institut für Wertewirtschaft (Institute for Value Based Economy) findet lobende Erwähnung.

Das vorwiegende Thema und der Anlass des Interviews ist also die (jetzt sogar für Kindle verfügbare) englische Fassung des hervorragenden Buchs von Eugen-Maria Schulak und Herbert Unterköfler "Die Wiener Schule der Nationalökonomie"

Lesen Sie das Buch bald, denn in Kürze erscheint: Schulak-Taghizadegan, "Vom Systemtrottel zum Wutbürger", das nach unserer Einschätzung zur Pflichtlektüre werden wird!

Korruption und Umschuldung

TU ChemnitzDurch den Blätterwald rauscht derzeit eine an der Fakultät der Wirtschaftswissenschaften der Technischen Universität Chemnitz veröffentlichte Arbeit, die auf eine ungewöhnlich hohe statistische Korrelation zwischen Rückzahlungswahrscheinlichkeit von Staatsschulden und dem "Korruptionsindex" hinweist: "Irland, Griechenland und Co. - Der Korruptionsindex als Indikator für die Rückzahlungswahrscheinlichkeit von Staatsschulden" - wird zum als PDF Download angeboten.

»Wirtschaft wirklich verstehen«

Rückkehr zum gesunden Menschenverstand

Rahim Taghizadegan, Gründer und Spiritus Rector des Wiener "Instituts für Wertewirtschaft", hat ein neues Buch verfasst, das er "Wirtschaft wirklich verstehen" genannt hat.

Es handelt sich um ein grundlegendes und leicht lesbares Werk, das sich im Untertitel als "Einführung in die Österreichische Schule der Ökonomie" bezeichnet und sich mit den Lehren in der Tradition von Menger, Böhm-Bawerk, Mises und Hayek auseinandersetzt.

Wir werden unter anderem in so zentrale Begriffe wie "Werte und Kosten", "Handel und Märkte", "Marktversagen und Interventionen", "Arbeitsplätze", "Zinsen", "Geld", "Banken und Wirtschaftskrisen" oder "Regulierung und Steuern" eingewiesen und auch eine "Anleitung für den kritischen Bürger" fehlt nicht. Ausführliche Literaturempfehlungen und ein gründliches Strichwortverzeichnis werden im Anhang ebenfalls mitgeliefert.

Der Autor versteht sich vor allem als Wirtschaftsphilosoph und bezeichnet es als sein Anliegen, die bewährte Betrachtungsweise der Wirtschaft, wie sie die Österreichische Schule pflegt, zu befördern. Damit plädiert er, wie er in seinem Buch verständlich macht, für die Rückbesinnung auf den gesunden Menschenverstand. Immerhin waren es, worauf nicht oft genug hingewiesen werden kann, keineswegs die vielzitierten Propheten der Main-Stream-Ökonomie, sondern der kleine Kreis der Nationalökonomen der "Wiener Schule" (im angelsächsichen Umfeld "Austrians" genannt), der die jüngste Wirtschaftskrise zuverlässig verhergesagt hatte.

Der im FinanzBuch Verlag erschienene Band hat 287 Seiten und ist am besten über das Institut für Wertewirtschaft direkt um EUR 25,00 (plus Versandkostenbeitrag) zu beziehen.

Der Wocheneinkauf wird messbar teurer

Statistik AustriaMiniwarenkorb

Zu den "Sonderauswertungen" der Statistik Austria gehört auch der "Index" des wöchentlichen Bedarfs, der sogenannte Miniwarenkorb, der die Inflation eines wöchentlichen Großeinkaufs widerspiegelt und monatlich (2005 = 100) verlautbart wird. Den Inhalt dieses Korbes und andere Inhalte können Sie im Internet abrufen.

Am 16.Juni wurde wieder ein vorläufiger Index für Mai 2011 verlautbart.

Da die Tabellen zum größten Teil auch als Spreadsheets (Excel) abgerufen werden können, haben wir uns die kleine Mühe gemacht, daraus die monatlichen Veränderungen (gegenüber dem gleichen Monat im Jahresabstand) zu berechnen.

Das sieht dann so aus:
(2010 ... verglichen mit 2009; 2011 ... verglichen mit 2010)

Monat: 2010/ 2011
Jänner: 2,20/ 6,01
Februar: 1,46/ 7,30
März: 3,58/ 7,28
April: 4,40/ 6,84
Mai: 3,83/ 6,94
Juni: 3,17
Juli: 3,27
August: 2,62
September: 3,64
Oktober: 4,09
November: 3,33
Dezember: 4,88
Durchschnitt: 3,37

Sie können also sehen, dass die Preissteigerung für die Waren im Korb des wöchentlichen Einkaufs heuer bereits im Jahresabstand mit Veränderungen in der Größenordnung von 7% erwartungsgemäß erheblich an Fahrt gewonnen hat. Der "gewöhnliche" Verbraucherpreisindex sieht dagegen harmlos aus. Aber wie oft im Monat kauft man sich ein Auto oder einen neuen Flachbildschirm, verglichen mit der Häufigkeit des wöchentlichen Großeinkaufs an laufendem Bedarf?!

Politlexikon

Rechtzeitig zum lausig kalten und bedeckten Feiertag etwas für unsere jüngeren Leser, und zwar unter dem Motto: »Die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt«, oder: »wenn Ihr streitet, klärt die Begriffe«.

Zugegebenermaßen auf eher einführendem Niveau bemüht sich eine Seite des Unterrichtsministeriums insbesondere Schülern und jungen Menschen Begriffe aus dem politischen Werkzeugkasten zu erläutern. Aber hier kann jeder fündig werden, und sei es nur, wenn man selbst »in Erklärungsnot« ist:
BM:UK
Wer hineinklickt, erlebt sofort den »Lexikoneffekt« - 2h Spaß beim Schmökern, ohne noch zu wissen, welches Wort man ursprünglich suchen wollte.

Wir wünschen viel Vergnügen dabei!

»Warum sparen?«

BMF
Heute eher »nachgeschaut« als »nachgelesen«: Prof. Rudolf Taschner und VK & FM a.D. Josef Pröll erklären die derzeitige Schuldensituation Österreichs und die Notwendigkeit für Änderungen in einem 6-minütigen Video. Es ändert sich eigentlich nur die darin genannte Zahl von EUR 198.400.000.000. Aktuell lautet sie:

»Lügen mit Zahlen«

Im Jänner ist ein Buch des Statistikprofessors Gerd Bosbach (das ist nicht der deutsche Politiker gleichen Nachnamens, Anm.) erschienen. Es heisst "Lügen mit Zahlen" und dürfte, wenn man einem Bericht in "Welt Online" glauben darf, aufschlussreich und dennoch leicht lesbar und sein. „Sachverstand ist bei vielen Politikern offensichtlich nicht mehr gefragt“, sagte Bosbach der „Welt Online“. Stattdessen werde mit frisierten Zahlen und Statistiken gezielt Stimmung gemacht, und Entscheidungsprozesse würden so vorangetrieben.

Wenn alles wahr ist, so sind die Aussagen eher überraschend.

Als ein Beispiel für Manipulation nennt Bosbach die "angebliche Kostenexplosion" im Gesundheitswesen. Bei genauerer Betrachtung zeige sich, dass die Ausgaben für Gesundheit seit Anfang der Neunzigerjahre nicht stärker gestiegen sind als die Konsumausgaben der Deutschen. Der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt erreichte 2003 mit 10,8 Prozent einen Höchststand und ist seither sogar leicht rückläufig. Die Sozialquote liegt seit Mitte der Siebzigerjahre konstant bei etwa 30 Prozent des BIP, rechnet Bosbach vor. Von einem Wildwuchs des Sozialstaates könne da doch keine Rede sein.

Wenn nicht alles wahr ist, dann "lügt" Bosbach selbst mit Zahlen oder zeigt jedenfalls, dass man mit Statistik etwas glaubhaft behaupten und manchmal auch das Gegenteil derselben Behauptung "beweisen" kann. (Die oben unterstellte Voraussetzung, dass die Gesundheitsausgaben gleich stark steigen "dürfen" oder sollen, wie die Konsumausgaben, kann jedenfalls ebenso auf den Prüfstand gestellt werden, wie an sich die Höhe der sicher richtig benannten Anteile am BIP von fast 11% bzw. 30% ...)

Übrigens: "A basic literacy in statistics will one day be as necessary for efficient citizenship as the abliity to read and write." (H.G. Wells).

Wer diesem Zitat (das wir in dem nachstehend erstgenannten Buch gefunden haben) gerecht werden will, der lese zum Beispiel Bücher von Walter Krämer, etwa "Statistik verstehen", oder die in Kürze erscheinende Neuauflage von "So lügt man mit Statistik".

Besonders empfehlenswert ist: "Das Einmaleins der Skepsis", (Untertitel: "Über den richtigen Umgang mit Zahlen und Risiken") von dem hervorragenden Gerd Gigerenzer. Zur Illustration hier ein Beispiel zu wahrscheinlich allgemein interessanten medizinisch-statistischen Fragestellungen: Brustkrebs und Prostatakarzinom (gesellschaftlich oder ökonomisch relevante Themen finden sich leider sehr selten in den Medien, aber wenn interessiert das schon!).

Steuerbuch 2011

BMFDas "Steuerbuch 2011, Tipps zur Arbeitnehmerveranlagung 2010 für Lohnsteuerzahler/innen", herausgegeben vom Finanzministerium, hat 136 Seiten und kann ab sofort aus dem Internet gratis heruntergeladen werden.

Es gibt in sieben Abschnitten ausführliche Hinweise zum Tarif, den Absetzbeträgen, zur Berechnung der Lohnsteuer, zu den Absetzmöglichkeiten und zum Verfahren. Ferner enthält es zwei Eingabemuster, drei relevante Formulare, ein praktisches Stichwortverzeichnis und eine Übersicht über die Standorte der Finanzämzter mit Adressen und Telefonnummern.

Der Text ist übersichtlich gestaltet und mit Hinweisen und Beispielen versehen. Ein kleiner Lichtblick in der Finsternis unserer Steuerpflicht und der Bürokratie, der wir damit ausgeliefert sind.

»Das Kapitalismus-Komplott«

Mit diesem etwas "reißerischen" Titel hat Oliver Janich sein äußerst lesenswertes Buch über die Grundlagen, Hintergründe und die faktische Aushebelung der Marktwirtschaft versehen. Auch Themen wie Klimawandel, Überbevölkerung und Ressourcenknappheit werden nicht ausgespart und ihre ideologischen Wurzeln ans Licht gebracht.

Zitate aus dem Umschlagtext:

Prof. Jörg Georg Hülsmann, Université d'Angers:
"Ich habe Oliver Janichs Werk mit Genuss gelesen und wünsche dem Buch eine weite Verbreitung."

Prof. Gerd Habermann, Vorsitzender der deutschen Hayek-Gesellschaft:
"Janich analyisert im ersten Teil des Buches die Österreichische Schule in seltener Klarheit, über den Realismus im letzten Teil des Buches kann man streiten."

Prof. Christof Kellmann, Ludwig-Maximilians-Universität München:
"Meinen Dank und Bewunderung für Oliver Janichs geniale wissenschaftliche Arbeit."

Das Buch ist nicht in "deutscher Wissenschaftssprache" geschrieben, sondern liest sich leicht und verständlich, flüssig und spannend und ist im Juli 2010 im "FinanzBuch Verlag" erschienen. Die aktuelle 4. Auflage (2011) hat 462 Seiten, davon 10 Seiten ausführliches Register, und kostet rund 20 EUR.

»Die Bürokratie«

Eine kleine Dosis, verschrieben vom Lehrer des Nobelpreisträgers
[alle Zitate aus: L.v. Mises, "Die Bürokratie", (Ersterscheinung New Haven 1944) Academia-Verlag 2004]

S.27
Kapitalismus bedeutet freies Unternehmertum, die Herrschaft der Verbraucher in wirtschaftlichen und die Herrschaft der Wähler in politischen Angelegenheiten.
Sozialismus bedeutet die volle staatliche Aufsicht über alle Bereiche des individuellen Lebens und die uneingeschränkte Vorherrschaft des Staates in seiner Eigenschaft als zentrale Behörde der Produktionsleistung.
Es ist kein Kompromiß zwischen diesen beiden Systemen möglich. Im Gegensatz zu einem verbreiteten Irtum gibt es keinen Mittelweg, kein drittes mögliches System als Modell für eine dauerhafte soziale Ordnung.

S.37
Kapitalismus oder Marktwirtschaft ist das System gesellschaftlicher Zusammenarbeit und Arbeitsteilung, welches auf dem Privatbesitz der Produktionsmittel basiert.
Die wahren Herrscher im kapitalistischen System der Marktwirtschaft sind die Verbraucher.

S.39
Im kapitalistischen System gründet sich alles Entwerfen und Planen auf den Marktpreisen.

S.42
Viele Ärzte bezeichnen die Art und Weise, wie ihre Mitbürger ihr Geld ausgeben, als höchst töricht und ihren wahren Bedürfnissen entgegengesetzt. Die Leute, sagen sie, sollten ihre Ernährung ändern, ihren Verbrauch an berauschenden Getränken und Tabak einschränken und ihre Freizeit in sinnvollerer Weise verbringen.
Aber es ist nicht die Aufgabe des Staates, das Verhalten seiner "Untertanen" zu verbessern.
Wer seine Landsleute bessern möchte, muss dabei auf Überzeugung zurückgreifen.
Wenn jemand bei dem Versuch scheitert, andere von der Richtigkeit seiner Ideen zu überzeugen, sollte er die Schuld dafür seiner eigenen Unfähigkeit geben. Er sollte kein Gesetz - mit anderen Worten: Zwang und Nötigung durch die Polizei - fordern.
So etwas wie absolute Werte -unabhängig von den subjektiven Präferenzen irrender Menschen - gibt es nicht. Werte sind immer relativ, subjektiv und menschlich, niemals absolut, objektiv und göttlich.

(sämtliche Hervorhebungen: L.V.)

BIÖ/L.V.

Gute Vorsätze zum Jahresbeginn?

Besser spät als nie: Wer sich gern durch »gute Vorsätze« motiviert, für den kann der Jahreswechsel auch die Gelegenheit sein, etwas für die eigene Weiterbildung in Sachen Ökonomie zu tun. Aber auch völlig losgelöst von jedem Anlass können wir sehr empfehlen, ein- oder zweimal in der Woche in der Website des »Ludwig von Mises Institute« zu stöbern (Website in englischer Sprache). Sie finden dort jede Menge aktuelle Hinweise, Audio-und Videodateien, Bücher zum Download und noch viel Anderes.

Die von dort initiierte »Mises-Wikipedia« (ebenfalls englisch) ist übrigens ein lohnendes Objekt für einschlägige Recherchen und ebenfalls als Bildungswerkzeug geeignet.

Viel Spass beim Studium!

»Vom Wert der besseren Ideen«

Unter dem Titel »Economic Policy - Thoughts for Today and Tomorrow« erschienen 1979 in den USA 6 Vorlesungen von Ludwig von Mises. Der Autor beschreibt die wesentlichen gedanklichen Strömungen unserer modernen Demokratien, die - wissentlich oder nicht - von Verantwortlichen, aber auch vom vielbeschworenen »Souverän« eingeschlagen werden.

Von Mises räumt mit Vorurteilen in allen Richtungen auf, ohne eine Meinung vorwegzunehmen: weder ist Kapitalismus das reine Böse, noch der Sozialismus das reine Gute - oder umgekehrt. Er erklärt uns weiters, wie Interventionismus generell mehr Schaden stiften muss als Nutzen, und dass Inflation nicht die Geldentwertung ist, sondern die vorangehende Vermehrung der Geldmenge. Die aber zwingend zu einer Geldentwertung führen muss.

Da es sich beim Inhalt um Grundlagen handelt, haben die 6 Vorlesungen nichts an Aktualität eingebüßt, im Gegenteil: das Wissen um bestimmte Zusammenhänge könnte beitragen, die aktuelle Situation der Finanzkrise besser zu meistern.

Das Werk erschien 1983 unter dem treffenderen Titel »Vom Wert der besseren Ideen« in deutscher Sprache, und wurde 2008 neuaufgelegt.

Olzog Verlag, Dezember 2008, gesehen bei amazon.de um 19,90

Unser Fazit: kaufen. Lesen.

»Wie man mit Fundamentalisten diskutiert...«

Manchmal begegnen wir im Internet, aber nicht nur dort, Menschen, die scheinbar die Weisheit mit dem Löffel gefressen haben und sich jeglicher Argumentation völlig verschließen, ja mehr noch: auf diese nicht im geringsten eingehen. Solch stures Verhalten kann einen zur Verzweiflung treiben. Die besten Argumente und elegantesten Beweise fruchten nichts, die Gegenseite erweist sich als völlig immun dagegen. Damit man darüber nicht wirklich verzweifelt hat Hubert Schleichert ein Buch geschrieben, das heute im Blogger- und Poster-Zeitalter aktueller ist denn je, obwohl es gar nicht auf das Internet eingeht. Es heißt »Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren« und gibt eine genaue Analyse, wie man Fundamentalisten erkennt und vor allem wie man mit solchen umgeht. Darüber hinaus ist das Buch amüsant geschrieben. Eine Pflichtlektüre für jeden, der schon mal mit Trollen zu tun gehabt hat. Im oder außerhalb des Internets.

Im Untertitel heißt das Buch noch »oder Anleitung zum subversiven Denken«, und in seiner Prägnanz ätzt der Autor tatsächlich zur Erheiterung des Lesers mit Vergnügen erfolgreich an manchen scheinbar eisernen Prinzipien.

»Dies (neben seiner stilistischen Brillanz) war«, schreibt der Autor, ein 1935 geborener Wiener Philosoph mit akademischem Lebenslauf über subversives Argumentieren, »das Geheimnis der Wirksamkeit Voltaires: Er berichtet stets genau und korrekt - gerade deshalb wirken seine oft so abstrusen, lächerlichen, entsetzlichen, beschämenden Geschichten so subversiv: Sie sind böswillig, aber nicht erfunden, nicht verfälscht.«

»Subversives Argumentieren« und »Subversives Lachen« heißen denn auch zwei der zehn ausführlichen Kapitel.

Versorgen Sie sich vergnüglich mit dem Wissen, das die anderen acht Kapitel über das Argumentieren und Diskutieren Ihnen zur Verfügung stellen werden.

Wer eine Fleißaufgabe drauflegen will, könnte sich noch den TaschenGuide »Manipulationstechniken« von Edmüller und Wilhelm (Haufe Verlagsgruppe) zu Gemüte führen. Nicht so ausführlich und nicht (in positivem Sinne) wissensbeladen, aber kurz, prägnant, praxisbezogen und mit vielen Beispielen kommt dieser »Führer« daher, nicht dem Buch von Schleichert ebenbürtig, aber durchaus eine sinnvolle Ergänzung dazu.

BIÖ/c;lv

»Umverteilung, Armut & Wohlstand in Österreich« (Update)

IVVieles, wenn nicht alles Wissenswerte über Umverteilung, Armut & Wohlstand in Österreich ist in einem 56-seitigen Papier zu finden, das nun in einer dritten, überarbeiteten Auflage vorliegt. Zusätzlich wurde eine aus 12 Folien bestehende Präsentation aufbereitet, die ebenfalls zum Download bereit steht.

Reduziert auf das Wesentliche findet man dort Zahlen und Fakten, die einen anderen Blickwinkel ermöglichen als den von Zeitungen und Parteien vorgegebenen. Dass dabei das eine oder andere Aha!-Erlebnis ausgelöst wird und die eine oder andere Legende, wie die von der Umverteilung von „unten“ nach „oben“ enttarnt wird, lässt sich natürlich nicht ganz vermeiden.

Die Broschüre wurde von der Industriellenvereinigung erstellt, was ihr aber keinen Abbruch tut, da bewusst auf politische Positionen verzichtet wurde.

Sie ist gratis abrufbar als PDF. Die als Präsentation aufbereitete Kurzversion finden Sie hier.

CR/mw

»Angriff auf Ihr Geld«

von Jürgen und Markus Wipfler, Frieling Verlag, ISBN 978-3-8280-2309-3, € 12,80

Gut, nachgelesen haben wir's - das Ergebnis sei Ihnen nicht vorenthalten. Der Klappentext liest sich noch recht sachlich, hier ein Auszug:

»Wie wird die Zukunft unseres Finanzsystems aussehen? Kommt es zum großen Crash der Finanzen? Welche Möglichkeiten hat der Sparer und Anleger, sein Vermögen möglichst sicher durch die kommenden Zeiten zu bringen? Wer um diese Dinge weiß, darf sich im Vorteil sehen. Das Buch wirft einen Blick auf Vorgänge des Finanzsystems, über die man selten Genaues hört: versteckte Schulden, inflationäre Geldmengen, Wirtschaftszyklen, den Lastenausgleich. Wichtige Vermögensarten werden von A bis Z auf ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber Finanzkrisen untersucht«

Der Inhalt scheint seriös und sorgfältig zusammengestellt, wenngleich ein gewisser Hang zur Dramatik nicht abzusprechen ist. Das zieht sich hin bis zum Schreibstil: wer etwa mit dramatischen Hervorhebungen in fetter Schrift nicht so gut zurecht kommt, wird weniger Freude haben. Liest man darüber hinweg, ebenso wie über ein Kapitel über »Wirtschaftsastrologie« (Horoskope!? Allerdings fordern sogar die Autoren zum Überblättern auf), dann wird man im letzten Teil mit Information über Anlageformen und deren Verhalten im Lastenausgleich belohnt, die anderweitig gar nicht so einfach zusammenzutragen sein dürfte.

Unser Fazit: kann man sich geben, kann man aber auch lassen.

»Economics!«

von Henry Hazlitt. Dazu 2 Zitate aus dem Klappentext:

Henry Hazlitt, der 1993 verstorbene Journalist und autodidaktische Philosoph und Ökonom, "gilt als einer der brillantesten Intellektuellen des 20.Jahrhunderts und schrieb u.a. für so bedeutende Medien wie "The Wall Street Journal", "The New York Times" [...] und "Newsweek". Darüber hinaus verfasste er zahlreiche Bücher sowie Artikel in anderen Werken. [...] Sein umfassendes Wissen im Bereich Ökonomie und seine Begabung für die elegante "populäre" Darstellung mündeten in dem Buch "Economics in One Lesson", das bereits 1946 im Original in den USA erschienen ist und seither in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde.«

»Was Hazlitt über Zinsmanipulation, Sparen, Inflation, Mindestlöhne, Gewerkschaften, Staatskredit oder Branchenrettung schreibt, ist von bestürzender Aktualität.«

Unser Fazit: Sie erfahren "Über Wirtschaft und Misswirtschaft" eine Lektion, 23 Beispiele und "Nachgedanken". 255 höchst instruktive, leicht lesbare, zum Teil unterhaltsame, aber durchaus lehrreiche Seiten.

2009, Olzog Verlag GmbH, München

»Geldreform«

von Thorsten Polleit und Michael von Prollius sei dringend empfohlen.

Das dünne Bändchen (190 Seiten im Taschenbuchformat, aber doch gebunden und mit Lesezeichen) ist gerade im Lichtschlag-Buchverlag erschienen und leicht verständlich, aber fundiert. Wer aus der Sicht der Wiener Schule der Nationalökonomie über die grundsätzlichen Zusammenhänge (Staatsgeld und Marktgeld) informiert sein will, ist mit diesem Band bestens bedient. Jeder, auch der nicht volkswirtschaftlich vorbelastete Leser, wird kompetent in die Welt des Geldes eingeführt. Die Darstellung der jüngeren Geschichte vom Sach- zum Papiergeld kommt nicht zu kurz.

Das "gute Marktgeld" wird im Sinne der "Austrians" als die einzig rettende Alternative zum "schlechten Staatsgeld" dargestellt.

Zwar müssen wir erkennen, dass da noch von einer Utopie die Rede ist, aber man wird ja noch träumen dürfen. Und zu wissen, was uns allen wohl bevorsteht, früher oder später, schadet uns auch nicht!