Verteidigungsministerium will Panzer verkaufen

Das Verteidigungsministerium, oder angesichts der dort herrschenden Frontstellungen eher der Minister persönlich, will 750 der 1150 Panzer des Bundesheeres verkaufen [1, 2]. Als Begründung wird die Aussage des bekannten Fachmanns in Wehrfragen M.Häupl zitiert, der meint, es werde die Panzerschlacht im Weinviertel nicht mehr geben. Wenn man von Zwergstaaten absieht, halten sich praktisch alle anderen Staaten Streitkräfte mit hohem Anteil an gepanzerten Truppen. Wie Manöver moderner Streitkräfte 2011 aussehen zeigt dieser Film in Youtube oder auch dieser. Es wird tatsächlich auch im Fall einer überraschend auftauchenden Bedrohung keine Panzerschlacht im Weinviertel geben, wenn wir keine Panzer haben. Dann werden unsere Infanteristen interessiert zusehen, wie die Panzer einer modernen Armee an ihnen vorbeifahren, weil das Bundesheer sich auf den 1.Weltkrieg vorbereitet hat, der dann schon mehr als 100 Jahre zurückliegen könnte.

Nun bilden diese Manöver derzeit keineswegs eine Bedrohung für Österreichs Souveränität. Wir sind im Moment tatsächlich nicht durch konventionelle Streitkräfte bedroht, können also selbst auf Streitkräfte zur Verteidigung der Souveränität weitgehend verzichten. Das Friedensprojekt EU sieht allerdings zur Zeit nicht besonders stabil aus. Können wir eine derartige Bedrohung für die nächsten 10-15 Jahre wirklich ausschließen? Wenn nein, dann sollten wir uns die Option erhalten, in Krisen innerhalb von einigen Jahren Streitkräfte wieder aufzubauen. Zeitkritisch für einen solchen Aufbau ist die Schaffung einsatzbereiter Kader, und das dauert mehrere Jahre. Und kritisch wird in einer Krise sowohl der Ankauf moderner Waffen, als auch ihre Finanzierung sein. Daher sollten wir moderne Waffen mit einer Lebensdauer von mehr als 10 Jahren in ausreichender Anzahl bereit halten. Wenn wir eine Bedrohung wirklich langfristig ausschließen und uns auf Katastrophenschutz und friedenserhaltende Einsätze beschränken wollen, brauchen wir die restlichen 400 Panzer auch nicht mehr.

Von den 750 zu verkaufenden Panzern sind rund 700 so veraltet, dass sie höchstens noch zu verschrotten sind. Saurer Schützenpanzer aus den 60er Jahren des vorigen Jahrhundert werden maximal einzeln von Heeresmuseen beschafft werden, ebenso Jagdpanzer Kürassier aus den 70er Jahren. Die Leopard2 Kampfpanzer sind aber hoch modern und haben sicher noch eine längere Einsatztauglichkeit als 10 Jahre. Ihr Verkauf repräsentiert den einzigen gewinnbringenden Teil dieses Deals. Daher kann man davon ausgehen, dass ihr Verkauf praktisch die gesamte zu lukrierende Summe aufbringen soll. Es handelt sich offensichtlich um ein politisches Täuschungsmanöver, das das sowieso notwendige Abstoßen veralteten Geräts zu einem "guten Geschäft" umfunktionieren soll, eine Vorgangsweise, die an das Downgrading der Eurofighter erinnert, das ja auch als "gutes Geschäft" dargestellt wurde. Beides ist tatsächlich ein gutes Geschäft, allerdings für den jeweils anderen Geschäftspartner.

Es stellt aber keine besondere Überraschung dar, dass diese Regierung das Volk plump täuschen will und Parteipolitik auf Kosten der Österreichischen Sicherheitspolitik betreibt.

Quellen:
[1] ÖAAB
[2] Kurier am 23.11.

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