Vom Nachbar lernen

Immer wieder wird die Schweiz als das Musterland der direkten Demokratie gelobt. Das Attribut trifft zwar zu, ist aber nur mit vielen Einschränkungen hinsichtlich der Übertragbarkeit auf österreichische Verhältnisse zu verstehen.

Was hingegen sehr wohl in das österreichische Denken einfließen könnte, ist das Steuerregime.

Es gilt ja nicht als Geheimnis, dass einzelne Kantone durchaus mit "Steueroasen" (http://de.wikipedia.org/wiki/Steueroase) mithalten können, aber es lohnt sich, einmal die Gewinnsteuerbelastung für Unternehmen (in der Rechtsform der juristischen Person) genauer zu betrachten.

Das hat Prof. Pascal Hinny, Inhaber des Lehrstuhls für Steuerrecht an der schweizerischen Universität Freiburg unternommen und darüber berichtet ausführlich die Neue Zürcher Zeitung in ihrer internationalen Ausgabe vom 17.Jänner 2012.

Danach schwankt 2012 die effektive höchste Belastung je nach Kanton und Gemeinde (ja, das ist auch ein Ergebnis der direkten Demokratie, dass die Gemeinden über die Hebesätze entscheiden können) zwischen den Extremen 11,32% (Gemeinde Meggen im Kanton Luzern) und 24,43% (Gemeinde Genthod im Kanton Genf). In Österreich beträgt bekanntlich der Körperschaftsteuersatz 25%.

Nicht missverstanden darf bei diesen Überlegungen werden, dass der Gewinnanteil des Gesellschafters an der juristischen Person im Falle der Ausschüttung natürlich mit dessen übrigem persönlichem Einkommen zusammen dann wieder besteuert wird (in Österreich, stark vereinfacht gesagt, wieder mit 25%). Auch in dieser Besteuerung der natürlichen Personen liegt die Schweiz im internationalen Vergleich recht gut. Gemessen am Steuersatz für Gutverdiener lag 2011 die im Kanton Schwyz liegende Gemeinde Wollerau mit einem Satz von 18,6% einschließlich Bundessteuer an der Spitze. Die Belastung in den "teuersten" Orten (auch hier wieder das "rote" Genf an der Front) war mit 46% zweieinhalbmal so hoch.

Zu Ihrer Information: der zitierte Artikel steht auf der Website der NZZ (derzeit noch) nicht online.

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