Geteilte Freiheit? Liberalismus-Bild im Wandel der Zeit

FAZIn Allensbach am Bodensee ist das bekannte und auch nach seinem Standort benannte demoskopische Institut beheimatet. Dessen Website zu besuchen lohnt sich allemal, auch wenn sie auf den ersten Blick im Verhältnis zum Renommée des Instituts etwas simpel "gestrickt" anmutet.

Man findet dort unter vielem Lesenswerten und einigen brauchbaren Links auch die folgenden Hinweise:

"Seit Beginn der achtziger Jahre, seit 1991 monatlich, werden Allensbacher Umfrageergebnisse zu gesellschaftlichen und politischen Themen in Beiträgen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung analysiert. Ausführliche Dokumentationen zu diesen Aufsätzen mit vollständigen Tabellenbelegen können im Allensbacher Archiv zum Preis von EUR 22,- zzgl. Versandkosten und Mwst. bezogen werden. Die Bände sind auch im Abonnement erhältlich."

Die neueste solche Umfrage (FAZ online) hat in Deutschland angesichts des offenbaren Niedergangs der einstmals stolzen FDP einige Brisanz. Einen konkreten Österreichbezug hat sie nur insofern, als vielfach bundesdeutsches und österreichisches Denken (im Unterschied zu dem der Deutschschweiz) nicht unähnlich sind.

Die Studie, nach der man (siehe oben) vergeblich auf der Allensbacher Website sucht, aber um (im Vergleich zu F.A.Z.-Lizenzen) wohlfeile EUR 22,00 erwerben kann, hat im Wesentlichen (wie dem F.A.Z.-Artikel zu entnehmen ist) ergeben, dass in "der deutschen Bevölkerung" (genauer: bei 54% der Befragten) der Begriff "Liberalismus" positiv besetzt ist. 47% der Bevölkerung sagen nach dem Bericht über die Studie sogar, "sie würden sich selbst als liberal bezeichnen, nur 24 Prozent bezeichnen sich ausdrücklich als nicht liberal."

"Wie man erwarten kann, stufen sich fast alle FDP-Wähler, 93 Prozent, als liberal ein. Aber auch 60 Prozent der Wähler der Grünen und jeweils rund 50 Prozent der CDU/CSU- und SPD-Wähler bezeichnen sich selbst als liberal. Selbst unter den Wählern der Linken geben 40 Prozent diese Antwort." (Zitat F.A.Z.)

Allerdings stellt sich bei näherem Hinsehen heraus, dass die Befragten nur vage Vorstellungen vom Begriffsinhalt haben. Sie verbinden mit "liberal" auch Inhalte, die mit klassischem Liberalismus nicht vereinbar sind, wie etwa ein anzustrebender Abbau der Öffnung der Schere, die zwischen den Bevölkerungsschichten hinsichtlich des Einkommens und Vermögens aufgeht, allerdings bei strikter und wettbewerbsbetonter Marktwirtschaft gar nicht entstünde.

Der Wirtschaftsliberalismus, vielfach als "Neoliberalismus" geschimpft, wird - nicht zuletzt durch gezielte veröffentlichte Meinung - diskreditiert.

Nicht erst einmal konnten wir lesen, dass der Satz "Geht's der Wirtschaft gut, dann geht's uns allen gut" eine Irreführung sei, was man "angesichts der Gier" der Manager und Banken, "die uns die Suppe eingebrockt haben", erkennen könne.

Die strapazierte Ansage von der "Privatisierung der Gewinne und der Sozialisierung der Verluste" wird meist als Beweis angeführt, obwohl derlei Maximen mit Wirtschaftsliberalismus nicht vereinbar sind, weil es das Wesen liberalen Denkens ist, dass jeder für seine Verluste selbst einzustehen hat. Die Rettung von Banken und bankrotten Staaten auf Kosten der Steuerzahler ist keineswegs im Sinne liberalen Denkens und hat mit Markt und Marktwirtschaft absolut nichts zu tun, schon eher mit dem sozialistischen Solidaritätsbegriff, der sich in der regulierenden EU mehr und mehr breitmacht.

Den Befragten wurde ein Bildblatt überreicht, das zwei Personen mit jeweils einer Sprechblase zeigt. Die eine Figur sagt: „Die freie Marktwirtschaft macht soziale Gerechtigkeit erst möglich. Ein Staat braucht viel Geld, um Arme und sozial Schwache zu unterstützen, und dieses Geld hat er nur in einer gut funktionierenden Marktwirtschaft zur Verfügung.“, die andere aber „Die freie Marktwirtschaft führt automatisch zu sozialer Ungerechtigkeit. Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer.“.

Da stimmten im Jahr 2003 noch 48 % der Deutschen der ersten Meinung zu. 2011 aber meinte eine relative Mehrheit von 44 Prozent, eine freie Wirtschaft führe automatisch zu sozialer Ungerechtigkeit.

Offenbar hat sich in den Vorstellungen der Befragten eine Aufspaltung zwischen der allgemeinen Idee des Liberalismus (oder was vermeintlich darunter zu verstehen sei) und der Nutzanwendung "Wirtschaftsiberalismus" breitgemacht.

Die Erkenntnis, dass sich wirtschaftliche und gesellschaftliche Freiheit nicht voneinander trennen lassen, scheint verlorengegangen zu sein.

Aufklärung tut not! Wir informieren! Weniger Staat!

Sehr geehrter Besucher, wir laden Sie herzlich ein, Ihre Meinung, Kritik und/oder auch Fragen in einem Mail an uns (natürlich auch anonym) zu deponieren. Gültigen Absendern werden wir zügig antworten.