Wenn er's nur aushält, der Monti...

Die Demoskopie liefert der Politik nicht, wie vielfach stillschweigend angenommen, zwingende Argumente gegen einschneidende Maßnahmen. Das belegt eine rezente Studie, die an der exzellenten italienischen Privatuniversität Bocconi durchgeführt wurde.

Bataille d'Adoua, 1896. Gravure d'époque.
(Gemeinfreie photographische Reproduktion)

Am 1.März 1896 fiel in der Schlacht von Adwa Luigi Bocconi, der Sohn des sehr wohlhabenden Mailänder Kaufmanns Ferdinando Bocconi. Zur Erinnerung an seinen Sohn stiftete der Vater die Wirtschaftsuniversität "Luigi Bocconi", die seither als Privatuniversität mit bestem Ruf geführt wird und auf eine Reihe von berühmten Absolventen zurückblicken kann.

Der derzeitige italienische Ministerpräsident Mario Monti war von 1989 bis 1994 Rektor dieser Universität und dann bis 1999 und wieder ab 2004 deren Präsident. Sein Mandat ruht allerdings seit seinem Amtsantritt im November 2011.

An der Bocconi-Universität lehrt und forscht auch Giampaolo Lecce, und der hat zusammen mit Alberto Alesina (Harvard University) und Dorian Carloni (UC Berkeley), ebenfalls im November 2011, eine viel beachtete Studie veröffentlicht.

Unter dem Titel "The Electoral Consequences of Large Fiscal Adjustments" (etwa: "Die Auswirkungen großer steuerlicher Anpassungen auf [nachfolgende] Wahlen") wird das Forschungsergebnis ausführlich belegt. Im Abstract (der kurzen Zusammenfassung) heißt es sinngemäß:

Für gewöhnlich gilt die Meinung, dass erhebliche Defizitverminderungen für Regierungen teuer zu stehen kommen, weil diese dann von den Wählern bei den darauf folgenden Wahlen abgestraft werden. Die Studie dagegen zeigt, dass in 19 OECD-Staaten in den Jahren 1975 bis 2008 kein Beweis für diese Meinung zu finden war. Daraus könne der Schluss gezogen werden, dass viele Regierungen Defizite reduzieren und dabei doch Wahlniederlagen vermeiden können.

Auch wenn Monti die Gewerkschaften nicht hinter sich weiß und sich jüngst einen "verbalen Ausrutscher" geleistet hat, haben Umfragen im Jänner ergeben, dass eine Mehrheit der Bevölkerung Verständnis für die notwendigen Einschnitte hat.

Ob derlei Erkenntnisse auch auf österreischische Verhältnisse anzuwenden sind? Die Hoffnung siecht dahin...

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