WZ: »Sparen«

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Die Wiener Zeitung bringt heute auf der Titelseite u.a. diesen Kurztext, der auch online abrufbar ist: »Deutschland: Auch Sparbeitrag von Reichen möglich«.

Dazu erst einmal eine Begriffsdefinition, Herr Chefredakteur: »Sparen« bedeutet »weniger ausgeben«. Im Sinne von »ansparen« bedeutet es ein Vermögen anzuhäufen. In keinem Fall bedeutet das Wort »sparen« jedoch »mehr einnehmen«. Und zwar egal, aus welchem Titel, auf den wir noch zurück kommen.

Lassen Sie es uns an einem Beispiel festmachen: Familie Österreicher verschuldet sich unvorhergesehener Weise über die eigene finanzielle Leistungsfähigkeit z.B. für die Anschaffung eines Autos, oder auch einer Eigentumswohnung - in diesem Zusammenhang sei uns der Grund egal.

Der Papa konstatiert: »Gleich morgen beginne ich zu sparen: ich suche mir einen besser bezahlten Job.« Die Mama erwidert: »Aber Liebling, das ist doch kein Sparen! Dein Job ist wie er ist, und Du bist nicht unterbezahlt. Viel mehr wirst Du also gar nicht kriegen können. Sparen ist, wenn wir weniger Geld für's tägliche Leben ausgeben, und das werden wir machen. Und zwar nicht ab morgen, sondern gleich ab jetzt: wir halten uns bei der Haushaltsführung etwas zurück, und auch für Freizeitaktivitäten geben wir etwas weniger aus. Es müssen ja auch nicht immer Markenschuhe für die Kleinen sein, und auch nicht immer der Rotwein um 35€ die Bouteille für den Feierabend. Dann wird's schon reichen.« Darauf Papa: »Du bist wie immer so klug, mein Schatz.«

Welche Ausgaben sind denn budgetseitig für »die Reichen« in Deutschland vorgesehen? Richtig: gar keine. Wenn man also sagt: »die Reichen sollen einen Beitrag zum Sparen leisten«, und damit meint, sie sollten mehr einzahlen so ist das nichts als eine bewusste, populistische Irreführung. Eine, an der Sie sich heute mit Ihrem Blatt beteiligt haben, Herr Chefredakteur.

Zum anderen ist Ihnen darüber hinaus eine glatte Themenverfehlung zu attestieren: denn mit »Sparen« hat der ganze Artikel nichts zu tun. Zu unserer Überraschung drehte sich der Inhalt um die Strafverfolgung von Steuersündern, und keineswegs um Budgetkonsolidierung.

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