Der aktuelle Währungskrieg

Will China, dass Amerika pleitegeht? Und was bedeutet das für Europa und Österreich?

Die Zutaten für den aktuell stattfindenden Währungskrieg sind einerseits höchst komplex und andererseits an Banalität nicht zu übertreffen. Mitten in diesem Spannungsfeld versuchen viele globale Akteure ihre vielschichtigen unterschiedlichen Interessen durchzusetzen und zu schützen.

China ist schon seit geraumer Zeit eine der größten Werkbänke der Welt. Durch die mittlerweile enorme Produktionsleistung und den weltweiten Absatz von billigen Produkten aus China wurden in den letzten Jahren Währungsreserven im Gegenwert von ca. 2,5 Billionen US-Dollar gehortet. Im Regelfall führt eine solche Wirtschaftsleistung sukzessive zu einer Aufwertung der eigenen Währung und damit wieder zu einem Ausgleich in Form einer sich angleichenden Wettbewerbsfähigkeit zwischen billig und teuer produzierenden Ländern.

Nur nicht in China, denn die chinesische Führung zeigt offensichtlich wenig Interesse an einer Aufwertung ihrer Währung und hält den Yuan künstlich niedrig, um die gegenwärtige Exportstärke beizubehalten. Die chinesische Führung hat sich auch dazu entschieden, diese erwirtschaftete Leistung nicht dem eigenen Volk in Form einer Stärkung der Kaufkraft zukommen zu lassen, sondern hortet diese enormen Finanzreserven mit ungewissem Ausgang. In gewissem Sinn wirkt das Vorenthalten dieser Mittel wie eine Steuer auf das eigene Volk.

Den Chinesen kann aber zugestanden werden, dass sie Ängste hinsichtlich eines ähnliches Schicksales wie Japan haben, wo ein zu rasantes Wachstum ebenfalls zu einer Krise führte, von der sich die Japaner bislang noch nicht wirklich erholt haben.

Der künstlich niedrig gehaltene Yuan und die enormen Finanzreserven sind aber aus mehreren Blickwinkeln ein gewaltiges Problem für Amerika und mit einiger Sicherheit auch für Europa.

Für die Amerikaner, die wie viele Industriestaaten zur Bewältigung der Krise Geld drucken und somit unter Abwertungsdruck stehen, aber auch durch höhere Inflation eine verbesserte Schuldentilgung hätten (wenn sie nicht dauernd neue Schulden machen würden), ist es vor allem die Problematik mit dem Klumpenrisiko durch einen mächtig großen Einzelgläubiger. Sollte dieser Gläubiger (in diesem Fall eben China) alle seine amerikanischen Staatsanleihen auf den Markt bringen, wäre höchstwahrscheinlich weltweit kein potenter Ersatzgläubiger aufzutreiben, der den dann drohenden Staatsbankrott von Amerika – mit tendenziell unabsehbaren Folgen für die Weltwirtschaft – abwenden könnte.

Von diesem Worst-Case-Szenario ist aber in der Realität hoffentlich nicht auszugehen und wenn man sich die erst jüngere Investitionsfreude von China beispielsweise in Afrika, aber auch im krisengeschüttelten Griechenland ansieht, dann sieht man auch einige Ansätze zur Problemlösung (oder etwas skeptischer betrachtet eine Einfluss- und Machterweiterung) von chinesischer Seite.

Wie man auch erst unlängst am Platzen der amerikanischen Sub Prime Krise (dem Auslöser der weltweiten Finanzkrise) sehen konnte, sind Schulden noch immer die treffsicherste Variante, um eine neue Krise auszulösen.

Man hat den Eindruck, dass die Europäer (und somit auch wir Österreicher) wie so oft zwischen den Stühlen sitzen und dem globalen Kräftemessen zusehen. Einerseits ist Europa historisch betrachtet natürlich enger und näher an Amerika als an China oder Asien gebunden, aber andererseits hat Europa mit dem Euro und der unzureichenden Kontrolle über die Finanz- und Schuldenpolitik (Stichwörter »Griechenland« sowie die übrigen »PIIGS«-Staaten) selbst alle Hände voll zu tun.

Vor diesem Hintergrund sind somit aber vor allem unsere Wirtschaft und insbesondere die produzierende Industrie weiter unter massivem Druck. Noch vor einiger Zeit ging man ja auch innerhalb der EU davon aus, dass der Wohlstand und auch die Wettbewerbsfähigkeit sich durch eine gewisse Angleichung über mehrere Jahre hinweg annähern und auch angleichen würden. Wenn aber nun ein globaler Player wie China durch Staatsinvention seine Wettbewerbsfähigkeit künstlich erhöht und seinen Wohlstand niedrig hält, dann hat dies in einem globalen Wettbewerb Auswirkungen auf viele Volkswirtschaften.

Als kleines Land ohne maßgebliche weltweite und finanzpolitische Steuerungsmöglichkeiten wird man sich dem wohl nur stellen können, in dem man seine Hausaufgaben macht, die Verwaltung und Administration schlank und effektiv aufstellt und Nischen für innovative und qualitativ hochwertige Produkte findet.

Unsere Wirtschaft hat in den letzten Jahren vielfach im Ausland investiert und hält umfangreiche Beteiligungen. Wo man an dieser Stelle optimistisch sein könnte, muss man mit Blick auf die österreichische Politik und deren mittlerweile als empirisch als bewiesen geltenden Reformunwillen leider sehr skeptisch sein.

(NB, BIÖ, 11.10.2010)

Weiterführende Links und Berichte zum aktuellen Thema finden Sie unter:

Frankfurter Allgemeine

Die Presse

Manager Magazin

Wiener Zeitung

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