Religionsbekenntnis: Jedi-Ritter

Im Jahre 1793 schon haben die Houses of Parliament den Briten die erste Volkszählung verordnen wollen, und schon damals gab es heftigen Widerstand der Betroffenen.

Die British Library gibt darüber Auskunft, dass die erste Zählung 1801 abgehalten wurde und dass die mit Stichtag 27.März 2011 die 21. ihrer Art ist, wobei die "Times" es für möglich hält, dass sie die letzte ihrer Art sein könnte.

Die britischen Zeitungen gaben bereits im Vorfeld das Unbehagen und die Ablehnung der Briten wieder, die dieses Eindringen in ihre Privatsphäre für unvereinbar mit dem britischen Freiheitsbegriff halten und übrigens sogar die Einführung von Personalausweisen verweigern, was wohl dem österreichischen Subordinationsdenken und unserer obrigkeitshörigen Grundeinstellung völlig unverständlich sein dürfte.

In der "Times" gab es eine ganze Seite, die dem offiziellen Fragebogen täuschend ähnlich sah, aber zum Beispiel danach fragte, um welche Zeit der Befragte sich nicht zuhause aufhalte und ob denn auch der Hausschlüssel unter der Fußmatte liege.

Ein weiterer Grund für die Empörung der Briten ist auch der Umstand, dass erstaulicherweise nicht eine nationale Behörde, sondern ein US-amerikanischer Rüstungskonzern, Lockheed Martin, mit dem Sammeln der persönlichen Daten beauftragt wurde. Das immerhin ist allerdings Ausdruck libertären Denkens und könnte eher begrüßt werden.

Die BBC berichtete unter anderem, dass auch die Frage nach der Religion den Briten als zu indiskret erscheint. Bei der Zählung von 2001 gaben sich rund 390.000 Engländer und Waliser als "Jediisten" aus.

Auch in Österreich bleibt die Zählpflicht nicht aus. Aber offenbar dezenter, denn die Statistik Österreich formuliert: "Wir zählen, und keiner merkt es."

Quellen:
The Times, London, vielfach; zuletzt 9.,10.,11.,13.,14.,22.,24. und 26.März 2011
The Guardian, 26.März 2011
Neue Zürcher Zeitung, Int.Ausgabe, 26.3.2001
Office for National Statistics
ORF
Statistik Austria

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