Das Licht der Scheinwerfer (oder: Die veröffentlichte Meinung)

Die Semantik legt es schon nahe: der Standort bestimmt den Standpunkt. Zwei Beispiele aus der jüngsten Wirtschaftsberichterstattung führen das eingehend vor Augen.

Fall "AUA"

1. Es ist noch nicht lange her, dass die mehrheitlich staatseigene "österreichische" Luftfahrtlinie an die Lufthansa "verschenkt" wurde, und zwar mit einer staatlichen "Draufgabe" von 500 Millionen Euro. Die dem Desaster schon zu Zeiten des staatlichen Eigentums vorangegangenen und noch heute aktuellen Dispute der Unternehmensleitung mit der Gewerkschaft werden wohl den meisten von uns präsent sein.

2. Erst vor kurzem meldete die AUA schon wieder einen beängstigenden Quartalsverlust und ist das Sorgenkind des Lufthansakonzerns, ganz im Gegensatz zur "Swiss", die (man darf wohl sagen: bei sehr ähnlichen Rahmenbedingungen!) eine für die Lufthansa erfreuliche Entwicklung genommen hat.

3. Hat man von irgendeiner Seite in Österreich gehört, die AUA hätte noch zu Zeiten "privatisiert" werden sollen, als ein besserer Erlös erzielbar gewesen wäre, als minus 500 Millionen Euro? Mit einer Vielzahl von (Schein-)Argumenten wurde seinerzeit ein solcher Schritt immer wieder konsequent von allen (leider) maßgeblichen Seiten verhindert!

Fall "Austria Tabak"

1. Es ist schon etwas länger her, als noch die Regierung Schüssel die weiland "Austria Tabak", den Älteren unter uns noch geläufig als Monopol (war es das?!) "Österreichische Tabakregie", um 1,3 Milliarden Euro an die Gallaher-Group verkauft hat.

2. Erst vor kurzem meldete der nunmehrige Eigentümer (ein japanischer Konzern), das "Stammwerk" in Hainburg und die Wiener Zentrale 2012 schliessen zu müssen.

3. Was hört man nun von jenen, die die rechtzeitige Entstaatlichung der AUA verhindert haben?
Die Gewerkschaft sieht in den Schließungsplänen "den Abschluss eines traurigen Kapitels einer verantwortungslosen Privatisierungspolitik", hieß es am Donnerstag in "krone.at".

Schlussfolgerung

Bertold Brecht würde sich vermutlich wehren, wenn man seine Strophe zur Mackie-Messer-Moritat missbraucht, aber es gilt halt eben auch "umgekehrt":

Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte
Die im Dunkeln sieht man nicht.

Und das Licht kommt von den Gewerkschaften, von der Kronenzeitung und (es wäre nicht Österreich!) von manchen dem rechten Lager zugeordneten Gruppierungen...

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